Unter den Grußworten von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, fand während der diesjährigen Jahrestagung der Alexander von Humboldt Stiftung die Verleihung der Forschungspreise in Berlin statt. Der renommierte Humboldt-Forschungspreis 2026 wurde an Professor Alberto Guadagnini, Dozent für Hydraulik am Politecnico di Milano, verliehen. Professor Guadagnini ist international anerkannt für seine wegweisenden stochastischen Ansätze in der Grundwasserhydrologie und Porenmedienwissenschaft. Seine Arbeit hat das quantitative Verständnis von Grundwasserströmungen, Schadstofftransporten und geochemischen Prozessen in komplexen natürlichen Umgebungen, in denen Unsicherheit und Heterogenität eine zentrale Rolle spielen, grundlegend verändert. Durch seine Forschung hat er theoretische und rechnerische Rahmenwerke entwickelt, die heute weit verbreitet zur Charakterisierung, Vorhersage und zum Management von unterirdischen Systemen in unterschiedlichsten Umweltanwendungen eingesetzt werden.
Im Rahmen des Humboldt-Forschungspreises wird Professor Guadagnini mit Professor Nima Shokri, Leiter des Instituts für Geo-Hydroinfomatics an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) zusammenarbeiten. Ihre gemeinsame Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung von Next-Generation stochastischen und prozessbasierten Ansätzen zur Vorhersage der Grundwasserqualität, Bodensalinisierung und reaktiven Transportprozesse in heterogenen unterirdischen Umgebungen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die wissenschaftliche Grundlage für das Management von Wasserressourcen angesichts zunehmender Belastungen durch Klimawandel, Umweltverschmutzung und Landnutzungsänderungen zu verbessern. „Die Arbeit von Professor Guadagnini hat die moderne Grundwasserhydrologie maßgeblich geprägt“, sagt Professor Nima Shokri, Gastgeber an der TUHH. „Seine Beiträge haben der Wissenschaftsgemeinschaft leistungsstarke Werkzeuge zur Quantifizierung von Unsicherheiten in natürlichen Systemen und zur Verbesserung der Vorhersagen bezüglich Wasserquantität und -qualität bereitgestellt. Wir freuen uns sehr, ihn in Hamburg willkommen zu heißen und gemeinsam neue Forschungsansätze voranzutreiben.“
Grundwasser stellt nahezu alle flüssigen Süßwasserressourcen der Erde bereit und spielt eine entscheidende Rolle für die Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und die Nachhaltigkeit von Ökosystemen. Dennoch bleibt die Vorhersage von Grundwasserströmung und -qualität eine große wissenschaftliche Herausforderung, da natürliche Böden und Gesteine hochgradig heterogen und schwer zu charakterisieren sind. Die Forschung von Professor Guadagnini war entscheidend für die Bewältigung dieser Herausforderung durch innovative stochastische Methoden, die Unsicherheiten in geologischen Strukturen, Modellformulierungen und Umweltbedingungen berücksichtigen.
Forschung mit Wasser, ökologischer Nachhaltigkeit und unterirdischen Prozessen
Jährlich verleiht die Alexander von Humboldt-Stiftung bis zu 100 Preise an international führende Forschende aus dem Ausland. Der Preis umfasst eine Förderung in Höhe von 80.000 Euro und unterstützt Forschungskooperationen mit deutschen Gastinstitutionen. Die Zusammenarbeit zwischen Professor Guadagnini und der TUHH stärkt Hamburgs Position als internationales Zentrum für Forschung mit Wasser, ökologischer Nachhaltigkeit und unterirdischen Prozessen weiter. Sie steht zudem in engem Einklang mit dem strategischen Fokus der TUHH „Engineering to Face Climate Change“ und adressiert zentrale Herausforderungen in Bezug auf Wassersicherheit, Umweltresilienz und nachhaltiges Ressourcenmanagement.
Bereits im Juni 2025 wurde am Rand der ersten Jahresversammlung der UN University Hubs an der TU Hamburg ein Schritt hin zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der TU Hamburg und dem Politecnico di Milano vollzogen: die Unterzeichnung des Memorandums of Understanding. Professor Alberto Guadagnini, Vice Rector for Research für Politecnico di Milano und Professor Andreas Timm-Giel, Präsident der TU Hamburg bekräftigten in dem Dokument den Willen zu engen wissenschaftlichen Beziehungen auf allen von gemeinsamen Interessen gekennzeichneten Gebieten. Vor allem stehen der Ausbau des Studierendenaustausches, die Intensivierung der Kooperation in der Forschung und die enge Zusammenarbeit in der Lehre auf der Agenda.
Über den Humboldt-Forschungspreis
Der Humboldt-Forschungspreis (Humboldt Research Award) ist eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland. Er richtet sich an international anerkannte Forschende, deren grundlegende Entdeckungen oder neue Theorien das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und deren weiteres Schaffen in Zukunft noch herausragende Ergebnisse erwarten lässt.
Die Preisträger werden eingeladen, Forschungsprojekte in Deutschland in Zusammenarbeit mit Fachkollegen an deutschen Institutionen durchzuführen, um die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit zu stärken und langfristige Forschungspartnerschaften zu fördern.