Wie können Roboter sicherer und flexibler werden? Wie lässt sich die Sauerstoffversorgung in einem Reaktor sichtbar machen? Und wie können Daten aus akustischer Unterwasserkommunikation möglichst unkompliziert genutzt werden?
Mit diesen spannenden Fragen beschäftigten sich Nachwuchswissenschaftler*innen der Technischen Universität Hamburg. Für ihre Leistungen wurden sie nun mit den Wissenschaftspreisen der Gisela und Erwin Sick Stiftung für innovative Lösungen mit einem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro gewürdigt. Die Stiftung ehrt bereits zum zwölften Mal hervorragende Forschende der TU Hamburg.
Preisträgerin Katharina Zörner
Die gleichmäßige Verteilung von Sauerstoff ist in Rührkesselreaktoren oft von entscheidender Bedeutung. Viele Mikroorganismen sind auf Sauerstoff angewiesen, zum Beispiel bei der Fermentation von Zellen. Doch bisher wurde die Sauerstoffkonzentration nur an einzelnen Punkten gemessen. In ihrer Bachelorarbeit entwickelte Katharina Zörner eine Methode, um die Sauerstoffversorgung sichtbar zu machen. Mithilfe des Farbstoffs Methylenblau färbt sich das Medium bei Sauerstoffkontakt blau und verliert die Farbe, wenn der Sauerstoff verbraucht ist. Mit einer Kamera aufgenommen, ermöglichen die Farbänderungen eine genaue Analyse der Sauerstoffverteilung im Reaktor. So können sauerstoffarme Zonen erkannt und die Versorgung verbessert werden. Mit ihrer Arbeit „Development of a Novel Method for the Visualisation of Local Oxygen Depletion in Gas-Liquid Reactors“ am Institut für Mehrphasenströmungen schloss Zörner ihre Bachelorstudium ab. Derzeit setzt sie ihr Studium im konsekutiven Masterprogramm fort und arbeitet zudem als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Mehrphasenströmungen.
Preisträger Julian Schuler
Im Rahmen seiner Masterarbeit hat Julian Schuler im Bereich der akustischen Unterwasserkommunikation geforscht. Dabei ist es ihm gelungen, das akustische Unterwasser-Kommunikationsmodem namens „ahoi Modem“ in ein Software-Defined Acoustic Modem (SDAM) umzuwandeln. SDAMs ermöglichen die flexible Anpassung der Datenübertragung per Software. Doch bisher waren solche Modems sehr teuer und schwer zugänglich. Durch ein Firmware-Update können vorhandene „ahoi Modems“ nun als SDAMs genutzt werden. Die Software soll nach Veröffentlichung eines entsprechenden Fachartikels Open Source sein. Schuler begann seine Ausbildung an der TU Hamburg mit einem Bachelorstudium der Computer Sciences und setzte dieses mit einem Masterstudium fort. Seit Anfang 2026 arbeitet er im selben Institut, in dem er seine Masterarbeit geschrieben hat, als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und forscht im Bereich der Akustischen Backscatter-Kommunikation Metalle.
Preisträger Dr. Malte Grube
Robotik wird zunehmend in Bereichen wie Gesundheit, Fertigung und Logistik eingesetzt, wo sichere und flexible Interaktion mit Menschen wichtig ist. Im Vorteil sind hier sogenannte Softroboter aus weichem Material wie Silikon. Sie lassen sich flexibel verformen und können sicher auf Umgebungskontakt reagieren. Allerdings ist ihre Steuerung komplex und bisher langsam und ungenau. Die Doktorarbeit von Malte Grube entwickelt neue Modellierungs-, Sensor- und Steuerungsmethoden, um Softroboter agiler und präziser zu machen. Dafür werden verschiedene Modelle getestet, spezielle Sensoren zur Formmessung integriert und Steuerungsstrategien in Simulationen und Experimenten mit einem seilgetriebenen, flexiblen Roboter untersucht. Dr. Grube hatte bereits sein Bachelorstudium im Studiengang Maschinenbau an der TU Hamburg absolviert. Es folgte ein Masterstudium des Theoretischen Maschinenbaus und schließlich seine Promotion zum Thema „Modeling, Sensing, and Control for Agile Trajectory Tracking of Soft Robots“.
Der Wissenschaftspreis der Gisela und Erwin Sick Stiftung
Zur Förderung der Ingenieur- und Naturwissenschaften vergibt die Gisela und Erwin Sick Stiftung an der TU Hamburg einen Preis für herausragende Arbeiten im Themenfeld „Technisch-wissenschaftlicher Fortschritt zum Vorteil von Mensch und Gesellschaft“. Bei der Vergabe der Wissenschaftspreise wird sowohl auf grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse als auch auf die technische Praxisrelevanz Wert gelegt. In den Arbeiten soll die Bedeutung von innovativer Technologie, insbesondere von Messmethoden, Sensoren oder Messtechniksystemen, für einen nachhaltigen Vorteil für Mensch und Gesellschaft erkennbar sein.
Weitere Informationen zum Preis finden Sie unter: https://www.tuhh.de/tuhh/tu-hamburg/newsroom/weitere-events/sick-wissenschaftspreis
Die Gisela und Erwin Sick Stiftung
Die Gisela und Erwin Sick Stiftung wurde im Jahr 2002 von Gisela Sick, der Witwe von Dr.-Ing. e. h. Erwin Sick, dem Gründer der SICK AG, ins Leben gerufen. Seitdem widmete sich die inzwischen verstorbene Stifterin einer umfassenden Bildung von jungen Menschen, die weit über die Vermittlung von Fachwissen hinausgeht. In Anerkennung des Lebenswerkes ihres verstorbenen Mannes richtete Gisela Sick bei ihren Stiftungsaktivitäten einen besonderen Schwerpunkt auf die Naturwissenschaften und Technik. An der TU Hamburg engagiert sich die Stiftung bereits langjährig insbesondere durch die Auslobung von Wissenschaftspreisen und der Förderung von zahlreichen Deutschlandstipendien. Seit Dezember 2019 leitet Renate Sick-Glaser, die Tochter der Unternehmerfamilie, als Vorsitzende des Stiftungsrates die Gisela und Erwin Sick Stiftung.
Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie unter www.sick-stiftung.org/ges/