
Am Institut für Technische Mikrobiologie (TMI) entwickeln wir mikrobielle Prozesse, in denen organische Abfall- und Reststoffe sowie Kohlendioxid (CO₂) als Ausgangssubstrate für die Produktion von Plattformchemikalien genutzt werden. Diese Plattformchemikalien bilden die Grundlage für chemische Prozesse, die sie in Polymere oder Treibstoffe überführen. Im Mittelpunkt stehen die Dunkelfermentation und Cupriavidus necator H16 – ein chemolithoautotrophes Bakterium, das organische Säuren oder CO₂ elektrochemisch bzw. mit Wasserstoff als Kohlenstoffquelle nutzen kann.
Diese Arbeiten adressieren unmittelbar das HTAD-Ziel, biotechnologische Verfahren zur CO₂-Nutzung und zur Substitution fossiler Rohstoffe zu entwickeln. Durch die Verwertung biogener Reststoffe und industrieller CO₂-Ströme wird eine geschlossene Kohlenstoffkaskade realisiert, die den Anforderungen der Bioökonomie und der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie entspricht.
Mikrobielle Elektrolysezellen (MECs) ermöglichen die biologisch katalysierte Oxidation organischer Verbindungen an einer Anode in Kombination mit elektrochemischer Wasserstofferzeugung an der Kathode. Wir untersuchen die mikrobiologischen und elektrochemischen Grundlagen dieser Systeme und entwickeln skalierbare Reaktorsysteme. Gemeinsam mit industriellen und wissenschaftlichen Partnern arbeiten wir daran, Kohlenstoff aus Abwasser mit dieser Technologie zu eliminieren.
Wasserstoff aus Abwasser und organischen Reststoffen ist ein direkter Beitrag zur HTAD-Priorität klimaneutrale Energieerzeugung. Bioelektrochemische Systeme ergänzen den im HTAD adressierten Masterplan Wasserstoff um einen biologisch katalysierten, dezentralen Ansatz, der sich besonders für die Verwertung komplexer, verdünnter Substrate eignet.
In der mikrobiellen Elektrosynthese (MES) werden Elektronen aus erneuerbarem Strom über die Kathode auf CO₂-fixierende Mikroorganismen übertragen. Wir erforschen die grundlegenden Mechanismen des kathodischen Elektronentransfers und entwickeln optimierte Reaktorkonzepte sowie Produktionsstämme.
Die mikrobielle Elektrosynthese verbindet zwei HTAD-Schlüsseltechnologiefelder: Biotechnologie und klimaneutrale Energieerzeugung. Die direkte elektrochemische CO₂-Fixierung ermöglicht Power-to-X-Prozesse auf biologischer Basis und stellt einen innovativen Ansatz zur Sektorkopplung dar. Damit adressieren wir Kernziele der HTAD zur Dekarbonisierung der Chemieindustrie.
Biofilme – strukturierte mikrobielle Gemeinschaften auf Oberflächen – bieten gegenüber planktonischen Kulturen fundamentale Vorteile für industrielle Bioproduktionsprozesse: höhere Zelldichten, verbesserte Stresstoleranz, kontinuierliche Betriebsweise ohne Zellrückhaltung sowie natürliche Immobilisierung. Wir koordinieren das DFG-Schwerpunktprogramm SPP 2494 (ProBioS) und erforschen die molekularen und systembiologischen Grundlagen produktiver Biofilme.
Produktive Biofilme sind eine Schlüsseltechnologie für die nächste Generation biotechnologischer Produktionsprozesse. Sie ermöglichen eine kontinuierliche, ressourceneffiziente Bioproduktion, die den industriellen Anforderungen an Skalierbarkeit und Prozessstabilität gerecht wird.
Am Institut für Technische Biokatalyse (ITB) werden digitale und automatisierte Forschungs- und Entwicklungsplattformen für die beschleunigte Entwicklung biotechnologischer Produktionsprozesse aufgebaut. Im Mittelpunkt stehen automatisierte Versuchsdurchführung, datengetriebene Prozessoptimierung, standardisierte Forschungsdateninfrastrukturen sowie die Integration moderner Prozessanalytik in geschlossene Entwicklungs- und Regelkreise. Ziel ist es, Entwicklungszeiten zu verkürzen, die Reproduzierbarkeit biotechnologischer Prozesse zu erhöhen und den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Biotechnologie zu ermöglichen.
Die Arbeiten adressieren unmittelbar die HTAD-Schwerpunkte Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Biotechnologie. Durch standardisierte Datenräume, digitale Zwillinge und automatisierte Entwicklungsplattformen werden Innovationszyklen beschleunigt und die technologische Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in der industriellen Biotechnologie gestärkt.
Am ITB werden innovative Methoden der Process Analytical Technology (PAT) zur Echtzeitüberwachung und Regelung biotechnologischer Prozesse entwickelt. Im Fokus stehen spektroskopische und kernmagnetische Verfahren, die eine kontinuierliche Erfassung von Reaktionsverläufen und Prozesszuständen ermöglichen. Die Kombination von Prozessanalytik, Datenintegration und Modellierung schafft die Grundlage für autonome und selbstoptimierende Produktionssysteme.
Die Verbindung von Prozessanalytik, Digitalisierung und datengetriebener Prozessführung schafft die Grundlage für die nächste Generation intelligenter Produktionssysteme. Die Arbeiten leisten einen wesentlichen Beitrag zur industriellen Transformation sowie zur Entwicklung ressourcen- und energieeffizienter Produktionsverfahren.
Am ITB werden enzymatische und biokatalytische Verfahren zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie industrieller Neben- und Reststoffströme entwickelt. Ziel ist die Schaffung neuer biobasierter Wertschöpfungsketten als Alternative zu fossilbasierten Produktionssystemen. Dabei werden nachhaltige Kohlenstoffquellen erschlossen und innovative Biokatalysatoren für industrielle Anwendungen entwickelt.
Die Arbeiten leisten einen direkten Beitrag zur Nationalen Bioökonomiestrategie und zur Kreislaufwirtschaft. Durch die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe und industrieller Nebenströme werden fossile Ressourcen substituiert und neue nachhaltige Wertschöpfungsketten geschaffen. Gleichzeitig entstehen innovative Produkte für die Chemie-, Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie.
Am ITB werden adaptive Produktionssysteme erforscht, die sich flexibel an veränderliche Rohstoffqualitäten, Energieverfügbarkeiten und klimatische Randbedingungen anpassen können. Hierzu werden Biokatalyse, Reaktionstechnik, Prozessanalytik und Digitalisierung in integrierten Systemen zusammengeführt. Ziel sind robuste, skalierbare und ressourceneffiziente Produktionsplattformen für die industrielle Bioökonomie.
Die Arbeiten adressieren zentrale HTAD-Ziele in den Bereichen industrielle Transformation, nachhaltige Produktion, Digitalisierung und klimaneutrale Wertschöpfung. Adaptive Reaktorsysteme ermöglichen resiliente Produktionsprozesse und schaffen die Grundlage für die industrielle Bioökonomie der Zukunft. Durch die Verknüpfung von Prozessintensivierung, Digitalisierung und Klimaanpassung entstehen neue Ansätze für nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionssysteme.
Am Institut für Bioprozess- und Biosystemtechnik (IBB) werden produktive mikrobielle und zellkulturbasierte Bioprozesse entwickelt, die sich robust an dynamische Umgebungsbedingungen anpassen, wie sie besonders in großskaligen Bioreaktoren auftreten. Durch physiologische Untersuchungen auf verschiedenen zellulären Ebenen unter experimentell simulierten industriellen Bioprozessbedingungen wird ein vertieftes Prozessverständnis bereits vor der realen Skalierung erreicht – als Basis für die Entwicklung individueller Steuerungskonzepte.
Die Arbeiten adressieren zentrale HTAD-Ziele in den Bereichen industrielle Bioökonomie, nachhaltige Produktion und industrienahe Forschung. Sie schaffen die Grundlage, um zukünftig vermehrt resiliente biobasierte Produktionsprozesse industriell zu etablieren.
Am IBB wird das reproduzierbare Bereitstellen metabolisch aktiver Zellen mit therapeutischer Wirkung erforscht, die auch unter physiologischen Bedingungen robust und stabil sind.
Die Arbeiten adressieren zentrale Themen der Gesundheitsforschung zur vermehrten Etablierung von Gen- und Zelltherapien und tragen zur Entwicklung im Bereich der personalisierten Medizin bei.